Value for money! ;)

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Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, welches Angebot ich annehmen soll…

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„Krypto-Normierung“: Niklas Luhmanns Version von „Verstehen heißt nicht einversta nden sein“

„Verstehen heißt nicht einverstanden sein“ ist eine vor allem in der Sozial- und Jugendarbeit verbreitete Phrase. Etwa im Sinne von „Ich verstehe, dass du zu heiß gebadet wurdest und darum Intensivtäter geworden bist, aber deshalb bin ich noch lange nicht damit einverstanden.“ 😉

Hintergrund: Wer Phänomene erklärt oder auch nur zu erklären versucht, sieht sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, er/sie wolle diese Phänomene damit auch rechtfertigen (gerne auch mit dem Begriff „relativieren“ versehen) oder würde sie zumindest ungewollt rechtfertigen.

In Niklas Luhmanns Frühwerk Legitimation durch Verfahren bin ich vor einiger Zeit auf eine Stelle gestoßen, die dieses Problem in seinem unnachahmlich lockeren Stil auf den Punkt bringt:

„[F]unktionale Analysen [können] ihren Gegenstand nicht »rechtfertigen«. Das wird von Kritikern, die mit dieser Diskussion nicht vertraut sind, zuweilen verkannt. […] Offenbar wirkt die Darstellung einer Funktion […] wie eine versteckte Empfehlung, eine Krypto-Normierung. Ich kann nur betonen: das ist nicht gemeint, und wer diesen Eindruck bekommt, soll ihn allzu suggestiven Formulierungen zuschreiben und diskontieren.“ (Legitimation durch Verfahren, 3. Aufl., Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1978, S. 6. Unterstreichungen hinzugefügt.)

Wer sich also z.B. mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, er würde irgendetwas „rechtfertigen“, weil er einen Zusammenhang zwischen der Weltwirtschaftskrise und der Attraktivität Hitlers herstellt, oder zwischen der „Dialektik der Ordnung“ und dem Holocaust, kann mit Luhmann ganz gelassen antworten: „Bitte diskontieren.“ 😉

Douglas Adams trifft Georg Simmel

As Ford gazed at the spectacle of light before them excitement burnt inside him, but only the excitement of seeing a strange new planet, it was enough for him to see it as it was. It faintly irritated him that Zaphod had to impose some ludicrous fantasy on to the scene to make it work for him. All this Magrathea nonsense seemed juvenile. Isn’t it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?
All this Magrathea business seemed totally incomprehensible to Arthur. He edged up to Trillian and asked her what was going on.
„I only know what Zaphod’s told me,“ she whispered. „Apparently Magrathea is some kind of legend from way back which no one seriously believes in. Bit like Atlantis on Earth, except that the legends say the Magratheans used to manufacture planets.“

Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (1979)

Noch immer empfinden weite Kreise so, als wäre der Reiz eines Ideals entblättert, die Würde eines Gefühls deklassiert, wenn seine Entstehung nicht mehr ein unbegreifliches Wunder, eine Schöpfung aus dem Nichts ist – als ob das Begreifen des Werdens den Wert des Gewordenen in Frage stellte, als ob die Niedrigkeit des Ausgangspunktes die erreichte Höhe des Zieles herabzöge, und als ob die reizlose Einfachheit der einzelnen Elemente die Bedeutsamkeit des Produktes zerstörte, die in dem Zusammenwirken, der Formung und Verwebung dieser Elemente besteht.
Das ist die törichte und verworrene Gesinnung, die die Menschenwürde entheiligt glaubte, weil der Mensch von einer niederen Tierart abstamme; als ob diese Würde nicht auf dem beruhte, was er in Wirklichkeit ist, ganz gleichgültig dagegen, von welchem Anfange aus er es geworden ist[.]

Georg Simmel, Zur Soziologie der Religion (1898)