//
du liest...
Uncategorized

Die Angst des »christlichen« Kleinbürgers vor seinem »muslimischen« Pendant – wem nützt sie eigentlich?

Die Diagnose, die Jens Berger hier liefert, ist weder sonderlich neu, noch sonderlich elegant formuliert. Das grundlegende Problem (oder die Lösung, eine Frage der Perspektive…) hat H.L. Mencken so auf den Punkt gebracht:
»The whole aim of practical politics is to keep the populace alarmed (and hence clamorous to be led to safety) by menacing it with an endless series of hobgoblins, all of them imaginary.« Das trifft natürlich mehr oder weniger auf alle möglichen Politikbereiche zu (Terror, Kinderporno…), aber auf kaum etwas so paradigmatisch wie auf die momentan mal wieder so fleißig geschürte Angst des Kleinbürgers vor »Integrationsverweigerern«. Man kann es also gar nicht oft genug erklären – daher ein zentrales Zitat aus Bergers Artikel:

»Wem ist damit geholfen, wenn der Kleinbürger Angst vor dem Fremden hat? Modernisierungsverlierer sind eine komplexe Gesellschaftsschicht. Der konservative Kleinbürger hat auch erstaunlich große Schnittmengen mit der Linken, die auf ihre Art ebenfalls konservativ – im Sinne von „bewahrend“ – ist. Neoliberalismus und Kleinbürgertum vertragen sich nun einmal in keiner Weise. Neoliberale Politik richtet sich nicht nur gegen den Kleinbürger, sondern ist auch die eigentliche Bedrohung seines Status. Diese Bedrohung kommt allerdings auf weitaus leiseren Sohlen daher und wird weder von der Kanzel noch von der BILD als Bedrohung dargestellt.
Solange der Kleinbürger den – in vielen Fällen ebenfalls kleinbürgerlich konservativen – Türken als Bedrohung sieht und reale Bedrohungen wie den Neoliberalismus ausblendet, kann auch die Politik neoliberal durchregieren, ohne einen Rückgang der Wählerstimmen zu befürchten. Die Angst des Kleinbürgers vor dem Fremden ist somit letztlich nichts anderes als ein stetes Feuer, das immer wieder aufs Neue geschürt wird, um eine Politik durchzudrücken, die sich gegen die Interessen des Kleinbürgers richtet. «
(Herv. d. Verf.)

Advertisements

Diskussionen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: