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»Integration« mal wieder…

Je weniger »Integration« im Sinne von »innerem Zusammenhalt« es in Deutschland gibt, desto häufiger wird die mangelnde »Integration« von Ausländern thematisiert. Dabei steht der schneidende alarmistische Tonfall in einem auffälligen Kontrast zu der seltsamen Unbestimmtheit des Begriffs – niemand kann so richtig sagen, was diese »Integration« eigentlich genau sein soll. Sie hat, soviel ist sicher, vor allem etwas mit Deutschkenntnissen zu tun. Klar, ein »Expat« im Management eines deutschen Unternehmens, der nur Englisch spricht, ist ein Zeugnis der Globalisierungskompetenz, aber der »Gemüsetürke« soll gefälligst deutsch reden. Dass Muslime/Türken schlecht – und immer schlechter – deutsch sprechen, gilt dabei als unhinterfragte Tatsache; es findet sich immer eine Grundschullehrerin, die das gern in ein Mikrofon oder eine Kamera hinein beklagt. (Dass Türken auf dem deutschen Arbeitsmarkt auch dann schlechte Karten haben, wenn sie hervorragend deutsch sprechen, wird dagegen seltener aufs Tapet gebracht.) Jetzt hat sich immerhin das Bundesamt für Migration einmal der schwierigen Sache angenommen, »Integration« zu messen. Ergebnis laut Spiegel Online:

Die Mehrzahl der rund 6,8 Millionen in Deutschland lebenden Ausländer ist einer Studie zufolge gut integriert. Die meisten Befragten beherrschten die deutsche Sprache so gut, „dass sie das alltägliche Leben in Deutschland weitgehend problemlos bewältigten“, heißt es in der Untersuchung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, aus der die „Welt am Sonntag“ zitierte. Die Türken haben demnach die größten Integrationsprobleme: Jeder fünfte spricht nur mangelhaft oder gar kein Deutsch.

Nun bin ich niemand, der notorisch positiv denkt und in jedem halbleeren Glas immer erst das Halbvolle sieht. Wenn aber das Deutsch von vier von fünf Türken (80%) offenbar nicht mangelhaft ist, wirkt das angesichts der allgegenwärtigen Skandalisierung der ach so schlechten Sprachkenntnisse von Türken in Deutschland wie ein geradezu sensationell gutes Ergebnis…
Interessant auch ein anderer Indikator, mit dem die zitierte Studie »Integration« misst: nämlich »Kontakte zur deutschen Bevölkerung«:

Die Hälfte der Türken pflegt laut Studie zudem keine häufigen Kontakte zur deutschen Bevölkerung. Der Großteil der Italiener und der Migranten aus dem früheren Jugoslawien gab hingegen an, mehrmals in der Woche freundschaftliche Kontakte zu Deutschen zu haben.

Wenn ich es mir recht überlege, habe auch ich nicht »mehrmals in der Woche freundschaftliche Kontakte zu Deutschen«: Zeit, Freunde zu treffen, habe ich im Durchschnitt höchstens einmal in der Woche, eher seltener. Wo muss ich meinen Pass zurückgeben?

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