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Ornament und Terror

Die FAZ hat einen neuen Skandal ausgemacht. Da wird die unheimliche Kölner „Großmoschee“ immerhin von einem deutschen Architekten namens Paul Böhm errichtet, in einer „klare[n], moderne[n] Architektursprache“. Puh, Glück gehabt. Zwar möchte niemand, dass Norman Foster, Tadao Ando oder (die gebürtige Irakerin) Zaha Hadid um Deutschland einen Bogen machen. Aber wenn es um den Bau einer Moschee geht, will man doch lieber das Heft in der Hand behalten. Nur so zur Sicherheit. Man weiß ja nie. Aber für eine Entwarnung ist es leider zu früh, denn: Die Bauherren wollen den Innenraum doch glatt von einem anderen Architekten gestalten lassen. Und der hat es in sich: Terror und Frauenunterdrückung verherrlichende, blutrünstige Malereien soll er in den Gebetsraum pinseln lassen! Ach nee, stimmt gar nicht. Vielmehr erregt sich der Autor über „blattvergoldete Stuckverzierungen sowie graue, türkis- und bordeauxfarbene Ornamente“. Über „überladene Wand-, Decken- und Fensterzierden im osmanischen Stil, prunkende Lüster und Schnitzereien. Historische Formen und Muster werden, auch in aufwendigen Materialien wie Marmor und Alabaster, schwülstig überboten und trivialisiert“. Mit einem Wort: Über „Kitsch“.

Nun muss man Kitsch ja nicht mögen. Aber darum gleich ein Politikum daraus fabrizieren? Besonders erregt den Autor, dass sich die Gemeinde „dort […], so die Grundaussage des Gebetsraumes, […] wie zu Hause fühlen [will].“ Ein wahrhaft anmaßendes Ansinnen, denn damit würde „nicht vermittelt“ „dass sie Wurzeln in einer fremden Umgebung geschlagen hat und sich dieser Nachbarschaft gegenüber kommunikativ verhalten will“. Aber warum sollte sie sich eigentlich „kommunikativ“ verhalten? Hier steht wohl wieder mal der abgedroschene Gedanke Pate, dass es unbedingt einen „Dialog“ zwischen Moslems und Christen oder gar „Ungläubigen“ geben müsse. Ketzerisch gefragt – wieso eigentlich? Reicht nicht ein Grundkonsens, sich gegenseitig nicht die Schädel einzuschlagen, den man auch ohne ständigen „Dialog“ als selbstverständlich voraussetzen kann? Für die FAZ offensichtlich nicht. Wenn der Kitsch nicht noch gestoppt und durch eine protestantische Nüchternheit ersetzt werde, in der auch eine Verleihung des Adolf-Loos-Preises an Richard Dawkins nicht fehl am Platze wirken würde, sind wir schon wieder einen Schritt näher am Untergang des so unkitschigen, wahlweise ach-so-christlichen oder weltanschaulich neutralen Abendlandes. Ach, was sage ich – von wegen einen Schritt näher. Der Untergang wäre ausgemachte Sache, stünde unmittelbar bevor: „Die Moschee würde […] zum Trojanischen Pferd“. Mir schlottern die Knie. Ob vor der Islamisierung Deutschlands mithilfe von Kitsch oder dem lächerlichen Alarmismus à la FAZ, verrate ich nicht…

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